Meidlinger Hauptstraße
Wettbewerbsbeitrag




Unsicherheit schafft Sicherheit
Im Mittelpunkt der Bestrebungen steht der gemeinsam genutzte Raum (Shared Space). Die vorgesehene Neustrukturierung des Planungsbereiches fördert ein gleichberechtigtes miteinander der einzelnen Verkehrsteilnehmer. Wir gehen davon aus, dass räumliche Suggestionen (Beeinflussung eines Menschen mit dem Ziel, ihn zu einem bestimmten Verhalten zu veranlassen) den Menschen mehr ansprechen als Verbote. Durch das Auflösen der klar definierten Unterteilung der unterschiedlich verwendeten Verkehrsflächen, wie zum Beispiel Fußgängerbereich, Radweg und Fahrbahnen, stellt sich ein neues Raumgefühl ein.
Mit den neuen Möglichkeiten des geschaffenen multifunktionalen Raums geht die Identitätsstabilisierung des Ortes einher, die zuvor durch Kanalwirkung und Dominanz der Straßen und Egalisierung durch verkehrstechnische Anlagen wie Ampeln oder Schilder zunehmend anonymisiert waren. Das Projekt zielt darauf ab, dass ortsfremde Verkehrsteilnehmer Teil des örtlichen sozialen und kulturellen Gefüges werden und dementsprechend ein Verweilverhalten zeigen. Es wird davon ausgegangen, dass sich jemand, der verweilt, sozialer verhält als jemand, der nur auf der Durchreise ist.
Durch das Aufheben der Verbote ergeben sich neue Freiheiten die durch die notwendige soziale Interaktion der Verkehrsteilnehmer letztlich zur Stärkung des Sozialverhaltens des Einzelnen führt. Dadurch entfaltet die neue Meidlinger Hauptstraße eine identitätsstiftende Wirkung für alle gesellschaftlichen Gruppen und Benutzergruppen.
Momentan ist die Meidlinger Hauptstraße sowohl vom Süden als auch vom Norden kommend nicht als Einkaufsstraße erkennbar. Deshalb sieht das Projekt Wandscheiben zur Aufwertung bzw. Betonung der Eingangsituationen vor.
Diese Scheiben sind Symbole mit hohem Wiedererkennungswert. Sie markieren die Eingänge bzw. Ausgänge, definieren den Raum der Meidlinger Hauptstraße und sind so angeordnet, dass die Besucherströme in diese geführt werden.
Das Verteilen des Besucherstroms auf zwei Achsen (Meidlinger Hauptstraße und Theresienbadgasse) wird problematisch angesehen, da dem Hauptast (Meidlinger Hauptstraße) die notwendige Besucherfrequenz entzogen wird. Die Theresienbadgasse ist als Verlängerung des Christine-Busta-Park zur Fußgängerzone geplant. Dadurch steht diese Verbindung nicht mehr in Konkurrenz zum Hauptast.
Wasser als Referenz der Meidlinger Heilquelle - Theresienbad. Zwei Brunnen, einer wegbegleitend der andere am Meidlinger Platz, zeigen die Wichtigkeit des Wassers in Meidling auf. Zudem erweisen sich die Brunnen als Spiel und Ruhezone mit hohem Freizeitwert.
Bäume und Möbel: Entlang der nun geschlossenen einseitigen Allee ist die Möblierungszone vorgesehen. Robuste und langlebige, grün kunststoffbeschichtete Stahlbetonmöbel (Beschichtung Fa. Toro), im Wechseln mit Schanigärten, Citylights und Fahrradständer. Daneben befindet sich der geforderte 5,0 Meter breite Fahrstreifen für Einsatzfahrzeuge.
Eine Ausnahme bilden die ebenfalls möblierten Plätze (Ruhezonen). Die Hauptachse wird von überflüssiger Stadtmöblierung befreit, sodass eine klare Sichtachse (Fahrsteifen) entsteht und so dem „Street Cluttering" nachhaltig entgegenwirkt.
Sämtliche Kioske werden in die Querstraßen verlegt, abgerückt von der Baulinie der Meidlinger Hauptstraße, sodass die Eingänge zu den Querstraßen nicht verstellt wirken.
Sonstige Anlagen
2 Brunnen einer am Meidlinger Platz der zweite im Mittelteil der Meidlinger Hauptstraße sind in der Projektbereich vorgesehen. Beim Brunnen am Platz kommt es zu keinem Wechsel der Pflasterung. Das Niveau wird lediglich zur Mitte hin um ca. 10cm abgesenkt, das rundum verlaufende Rigol auf Platzebene verhindert ein Überlaufen sodass sich der Brunnen optimal für die Benützung durch Kinder eignet, da keinerlei Hindernis zum Wasser überwunden werden muss. Generell bleibt der Platz multifunktional über die Jahreszeiten bespielbar.
Der zweite Brunnen ist im Gegensatz zum Brunnen am Platz geneigt und folgt dem Gefälle der Meidlinger Hauptstraße. Im Gegensatz zum Brunnen am Platz besitz dieser Brunnen ein „fließendes Gewässer", mit sehr geringer Wassertiefe. Das Wasser rinnt unterhalb der Pflasterung in den Brunnen und verschwindend im unteren Bereich unter dieser. Es wird die Illusion geweckt, dass das Wasser unter der Pflasterung weiter in den untern Brunnen am Platz rinnt.