Karlsplatzpassage

Ein.Durch.Ab.tauchen

    Karlsplatzpassage / Söhne & Partner ArchitektenKarlsplatzpassage / Söhne & Partner Architekten

    Der Karlsplatz ist von der Karlsplatzpassage soweit entfernt wie der Rote Platz vom Roten Meer. Kaum taucht man in die unterirdischen Höhlen der Passage ein, befindet man sich irgendwo –München, Madrid oder in Prag. Vollkommen bezugslos zur Außenwelt verbreitet sich das Tunnellabyrinth des Verkehrsbaus unter der Oberfläche des Karlsplatzes.

    Entortung als Potenzial

    Genau in der Entortung des Raumes wird das Potenzial, die Stärke und gleichzeitig auch die Schwäche des Topos vermutet. In diesem Entwurf wird mit dem entkoppelten Ort gearbeitet, in der bereits bestehenden spezifischen Welt der Karlsplatzpassage eine weitere Welt übergeordnet wird – und zwar die Welt des Wassers.

    Wasser steht in direktem Zusammenhang mit dem Fließen von Verkehrsströmen und verweist somit auch auf die Situation am Karlsplatz. Und eine weitere Parallele kann gezogen werden: denn für die topografische Entwicklung des Karlsplatzes war unter anderem auch das Wasser der Wien verantwortlich. „Metaphorisch betrachtet trugen die an- und abfahrenden Züge der Stadtbahn das Moment des Fließens anstelle des in den Untergrund verbannten Wassers weiter“ (Am Puls der Stadt, 2000 Jahre Karlsplatz, Wien Museum, S. 131).

    Genau aus diesen Gründen wird in diesem Design das Wasser als neutrales, beruhigendes und verbindendes Element in die Gegenwart des Ortes zurückgeholt. Der Entwurf soll ein geordnetes ein-, durch- und abtauchen in die künstliche Welt der Karlsplatzpassage ermöglichen.

    Gebrochene "Welle"

    Die drei Hauptbereiche – Opernpassage, Ladengasse und Hauptpassage – werden durch eine „Welle“ miteinander verbunden. Dieser Ausdruck bezeichnet eine tektonisch geformte Vorsatzschale, die das Aufbäumen und Brechen einer Welle darstellt. Diese „Welle“ lenkt beziehungsweise leitet die Menschenströme von der Opernpassage in den Resselpark – vice versa.

    Opernpassage und Hauptpassage bilden die metaphorische Bassins und die Ladengasse den Fluss, der die beiden Bassins verbindet. Im Bereich des Info- und Ticketcenters der Wiener Linien – also am Dreh- und Angelpunkt der unterirdischen Anlage – bricht die Welle. Eine sogenannte „Tube“ oder „Pipeline“ leitet den Verlauf der „Welle“ von einer Seite auf die andere um.

    Zusätzlich zum Design der „Welle“ erfüllen auch die Wandverkleidung der gesamten Passagenaußenhülle, die Neugestaltung der Geschäftsfassaden und die multimediale Bespielung die Aufgabe, die gesamte Passage zu vereinheitlichen.

    Das Wasserthema bezieht sich jedoch nicht auf die Zugänge der U-Bahnen, sondern bildet nur den infrastrukturellen neutralen Rahmen des Verkehrsbaus. Die Abgänge zur U-Bahn bilden die Ausnahme der Regel.

    Aufbauend auf dem Farbleitsystem der Wienerlinien sind die U-Bahn Abgänge zur Gänze in der spezifischen Leitfarbe der jeweiligen U-Bahn ausgestattet. So springen die U-Bahn Abgänge direkt ins Auge.

    Öffentlicher Bereich04

    Wo

    Wien, Österreich

    Wann

    -

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